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Staatliche Transparenz reduziert die Korruption und die Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung
Welchen Effekt hat staatliche Transparenz auf die staatliche Korruption und Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung? Eine wichtige Frage, wenn man bedenkt, dass weltweit Milliarden von Franken die Korruptionsbekämpfung gesteckt werden.
Die Reduktion von staatlicher Korruption ist auch ein explizites Ziel der Nachhaltigkeitsagenda der Vereinten Nationen, den Sustainable Development Goals (SDGs).
Alex Armand, Alexander Coutts, Pedro C. Vicente und Inês Vilela haben dazu ein Experiment in Mozambique durchgeführt. Ihre Ergebnisse haben sie 2020 in der Fachzeitschrift American Economic Review publiziert, einer der besten ökonomischen Fachzeitschriften der Welt. Der Titel ihrer Publikation lautet:
«Does Information Break the Political Resource Curse? Experimental Evidence from Mozambique.»
Entdeckung von Erdgas als als Untersuchungsgegenstand
Im Norden von Mozambique wurden bedeutende Erdgasvorkommen entdeckt. Dies machten sich die Autor:innen für das Experiment zu Nutze.

Sie verteilten die Informationen über die Entdeckung zufällig an die Kommunen. In einigen Kommunen wurde nur die politische Elite informiert, in anderen Kommunen die ganze Bevölkerung. Einigen Kommunen wurde die Information vorenthalten (Kontrollgruppe). Dies führte dazu, dass die Wirkung unterschiedlicher Informationskampagnen evaluiert werden konnte.
In der Forschungsliteratur werden solche Experimente als Randomized Control Trials bezeichnet. Sie gehören zur Champions League der Forschung.
Transparenz reduziert Korruption und Gewalt
Die Ergebnisse zeigen, dass Informationskampagnen an die breite Bevölkerung besonders wünschenswert sind. Dies im Gegensatz zur einseitigen Information der politischen Elite.
«We find that information targeting citizens and their involvement in public deliberations increases local mobilization and decreases violence.» Armand et al. (2020), Seite 3431
Die Information der Bevölkerung über die staatlichen Erdgasvorkommen reduzierte im Fall von Mozambique die Gewalt und Gewaltbereitschaft der Bevölkerung sowie das korrupte Verhalten der politischen Elite. Zudem erhöhte die Informationskampagne das Bedürfnis für mehr Transparenz in der Zukunft.
Die Ergebnisse sind statistisch signifikant, sind aber in den sozialen Kontext einzuordnen. Gewalt und Korruption sinken nicht auf 0, sondern relativ zur Kontrollgruppe.
Die Ergebnisse werden theoretisch wie folgt erklärt. Erstens gehen die Wissenschaftler:innen davon aus, dass breite Informationskampagnen die Zukunftsaussichten der Bevölkerung verbessern, weil sie sich besser in staatliche Entscheidungsmechanismen eingebettet fühlen. Dies wiederum erhöht die persönlichen Kosten für Gewalt und Konflikt.
«In the process, citizens became more optimistic about the future, suggesting higher opportunity costs of engaging in conflict.» Armand et al. (2020), Seite 3450
Politische Anreize für höhere Transparenz sind gering
Die Geschichte dieses Artikels ist, staatliche Transparenz einzufordern, zu ermöglichen oder zu evaluieren. Die Forschungsergebnisse bestätigen, was viele theoretische Modelle annehmen, und Transparenz-Initiativen einfordern.
Die Gretchenfrage bleibt: Wie können Regierungen dazu gebracht werden, transparenter zu kommunizieren? Wie führt man ein Transparenz-Bewusstsein ein? Auf diese Fragen haben die Autor:innen keine abschliessende Antwort. Sie war auch nicht Gegenstand ihrer Forschungsfrage.
Das Problem ist: Regierungen können nicht gezwungen werden, transparent zu kommunizieren. Öffentlichkeitsgesetze existieren entweder nicht überall, oder können umgangen werden.
Vieles hängt deshalb vom Goodwill der Regierungen ab. Insbesondere korrupte Regierungen werden transparente Kommunikation aber tunlichst unterlassen. Das ist das generelle Problem mit staatlicher Transparenz und Rechenschaft.
Armand, Alex, Alexander Coutts, Pedro C. Vicente, and Inês Vilela. 2020. «Does Information Break the Political Resource Curse? Experimental Evidence from Mozambique.» American Economic Review, 110 (11): 3431-53.
Autor: Sandro Fuchs (ZHAW)
