Dezemberfieber: Der Mythos untersucht

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Das Dezemberfieber ist kein Mythos. Regierungen geben Ende Jahr mehr aus – und erst noch für Projekte von schlechterer Qualität.

Den Mythos Dezemberfieber haben Jeffrey B. Liebman und Neale Mahoney wissenschaftlich untersucht. Sie haben rund 14.6 Millionen Beschaffungsdaten der US Regierung zwischen 2004 und 2009 ausgewertet.

Ihr Artikel:

«Do Expiring Budgets Lead to Wasteful Year-End Spending? Evidence from Federal Procurement»

wurde 2017 in der renommierten Zeitschrift American Economic Review publiziert.

Mehrausgaben gegen Ende Jahr

Fast ein Sechstel des gesamten Jahresbudgets wird in der letzten Woche ausgegeben.

Das Dezemberfieber betrifft vor allem Hoch- und Tiefbauten, Büromobiliar aber auch den Unterhalt von Strassen, wofür im Dezember bis zu 40 Prozent des gesamten Jahresbudgets ausgegeben wird.

Die folgende Abbildung zeigt den überproportionalen Anstieg der Beschaffungsausgaben in der letzten Kalenderwoche, vor Ablauf der Budgets.

Das Dezemberfieber ist ansteckend

Das Dezemberfieber ist hoch ansteckend. Auch über Zeitdimensionen von Amerika. Weil die Budgets in der Pazifikküste früher auslaufen, werden diese auf östlichere Zeitzonen übertragen. Die Beschaffungsdaten zeigen einen 75-prozentigen Anstieg an Verträgen unter 100’000 USD am letzten Kalendertag an der Pazifikküste. Diese Verträge können schnell und relativ formlos zu Gunsten von östlicheren Regierungsbehörden unterzeichnet werden.

Auch die Qualität der Projekte leidet

Die Auswertung der Projekt-Performance zeigt, dass Ende Jahr nicht nur die Ausgaben ansteigen, sondern dass diese Ausgaben primär in Projekte von tieferer Qualität investiert werden.

«Spending in the last week of the year is 4.9 times higher than the rest-of-the-year weekly average, and year-end information technology projects have substantially lower quality ratings.» Liebman & Mahoney (2017), Seite 3510

Es besteht eine Sechs zu Eins Chance, dass ein Projekt Ende Jahr schlechter performt als zu Beginn des Jahres. Was sind die Gründe für die tiefe Projektperformance Ende Jahr?

Überforderte Projektleiter:innen, weniger Qualitätsvorgaben oder weniger Wettbewerb, weil Projekte meist freihändig vergeben werden. Das Geld muss investiert werden, sonst verfällt es. Da kann nicht jedes Projekt aufwändig aufgegleist werden.

Das Dezemberfieber ist nur bedingt veränderbar

Die Geschichte dieses Artikels ist, dass das Dezemberfieber kein Mythos ist. Sondern ein rationales und begründbares Phänomen von Menschen und Organisationen. Deshalb kann diesem Phänomen nur bedingt mit institutionellen Anpassungen entgegengewirkt werden.

Möglichkeiten wären Mehrjahresbudgets einzuführen, Budgetüberträge aufs nächste Kalenderjahr zu ermöglichen – wie das unter New Public Management auch vorgesehen ist – aber auch klarere Qualitätsvorgaben für Projekte zu entwickeln, die freihändig vergeben werden.

Liebman, Jeffrey B., and Neale Mahoney. 2017. «Do Expiring Budgets Lead to Wasteful Year-End Spending? Evidence from Federal Procurement.» American Economic Review, 107 (11): 3510-49.

Autor: Sandro Fuchs (ZHAW)